Antwort schreiben 
 
Themabewertung:
  • 0 Bewertungen - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Beispiele für Anleihen oder Wechsel als Zahlungsmittel
10-23-2011, 09:52 AM (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10-23-2011 10:31 AM von h.bayer.)
Beitrag #1
Beispiele für Anleihen oder Wechsel als Zahlungsmittel
Die US-Autorin Ellen Brown, Autorin des bereits oft zitierten Buches “Der Dollar Crash”, berichtet in ihrem Artikel (Quellenangabe s.u.) davon, wie Deutschland in den 1930er-Jahren wirtschaftlich wieder auf die Beine gekommen ist. Hierzu zitiert sie zunächst den Ökonom Henry C. K. Liu, welcher diese Form der damaligen deutschen Finanzpolitik als »souveräne Kreditvergabe« bezeichnet.

Über Deutschlands bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung schreibt er:

»1933 kamen in Deutschland die Nazis an die Macht – in einer Zeit, in der die deutsche Ökonomie völlig kollabiert war; das Land litt unter ruinösen Kriegsreparationen und hatte keinerlei Aussicht auf ausländische Investitionen oder Kredite. Doch durch eine unabhängige Finanzpolitik der souveränen Kreditvergabe sowie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die für Vollbeschäftigung sorgten, gelang es dem ›Dritten Reich‹, ein bankrottes Deutschland, das über keinerlei Kolonien mehr verfügte, die es hätte ausbeuten können, in die stärkste Wirtschaft Europas zu verwandeln – und zwar innerhalb von vier Jahren, sogar noch bevor die Rüstungsausgaben stiegen.« (5)

Ellen Brown weiter in ihrem Artikel:

“Es besteht kein Zweifel daran, dass sich Hitler schwerster Verbrechen schuldig gemacht hat, vor allem in den späteren Jahren seines Terrorregimes, aber eine Zeitlang war er in Deutschland recht populär. Der Grund bestand offensichtlich darin, dass er es schaffte, Deutschland aus den Tiefen der weltweiten Wirtschaftsdepression herauszuholen. Das gelang ihm durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die mithilfe einer Währung bezahlt wurden, die die Regierung selbst geschöpft hatte. Zu den ersten Projekten, deren Finanzierung auf diese Weise gesichert wurde, gehörten Maßnahmen zum Hochwasserschutz, der Instandsetzung öffentlicher Gebäude und Privathäuser sowie dem Bau neuer Gebäude, Straßen, Brücken, Kanälen und Häfen. Die veranschlagten Kosten der verschiedenen Programme wurden auf eine Milliarde der nationalen Währung festgesetzt. Nicht-inflationäre Wechsel in Höhe von einer Milliarde Reichsmark wurden zur Begleichung der Kosten dieser Projekte ausgestellt. [Ellen Brown, die im Amerikanischen dafür den Ausdruck »Labor Treasury Certificates« benutzt, meint damit offenbar die von Zarlenga in The Lost Science of Money erwähnten »Mefo-Wechsel« – Anm. d. Übers.] Bei diesen öffentlichen Projekten wurden Millionen von Arbeitern beschäftigt, die in Form dieser Wechsel bezahlt wurden. Die Arbeiter bestritten mit diesen Wechseln wiederum ihre Konsumausgaben, wodurch weitere Arbeitsplätze geschaffen wurden. Diese Papiere waren eigentlich nicht schuldenfrei, aber sie wurden in Form von Anleihen herausgegeben, und die Regierung zahlte den Inhabern auch Renditen dafür. Aber sie zirkulierten als Geld und konnten unbegrenzt verlängert werden, wodurch sie de facto zu einer Währung wurden. Ihr weiterer Vorteil bestand darin, dass die Regierung keine Kredite bei internationalen Geldgebern aufnehmen oder internationale Schulden zurückzahlen musste. (6) Da diese Wechsel nicht auf den internationalen Finanzmärkten gehandelt wurden, waren sie außer Reichweite für die Währungsspekulanten. Mit ihnen konnte nicht auf Baisse spekulierte werden, denn man konnte sie niemandem verkaufen; also behielten sie ihren Wert.

Innerhalb von zwei Jahren war in Deutschland das Problem der Arbeitslosigkeit gelöst worden und das Land stand wirtschaftlich wieder auf eigenen Füßen. Es hatte eine solide, stabile Währung und keine Inflation, und das zu einer Zeit, in der viele Millionen Menschen in den USA und anderen westlichen Ländern immer noch arbeitslos oder auf Sozialhilfe angewiesen waren. Deutschland schaffte es damals sogar, den Außenhandel wieder einigermaßen in Gang zu bringen, obwohl es damals keine ausländischen Kredite erhielt und mit einem Wirtschaftsboykott des Auslands fertig werden musste. Das gelang durch eine Art Tauschsystem: Ausrüstungen und Waren wurden unter Umgehung der internationalen Banken direkt mit anderen Ländern ausgetauscht. Dieses System des direkten Austausches von Waren und Gütern funktionierte ohne Schulden und ohne Handelsdefizite. Obwohl dieses deutsche Wirtschaftsexperiment nur kurze Zeit währte, kann es einige dauerhafte Erfolge vorweisen; dazu gehört die berühmte Autobahn, das erste umfassende Schnellstraßennetz der Welt. (7)

Die Lehren der Geschichte sind nicht immer so, wie sie scheinen

Deutschlands damalige Strategie, der lähmenden Schuldenfalle zu entkommen und eine am Boden liegende Volkswirtschaft wieder anzukurbeln war zwar clever, wurde aber keineswegs von den Deutschen erfunden. Das Prinzip, dass eine Regierung sich selbst und die nötigen Staatsausgaben durch den Druck und die Herausgabe von Papierbelegen für gelieferte Güter und Dienstleistungen finanzieren kann, wurde erstmals in der Geschichte von den amerikanischen Siedlern in den damaligen britischen Kolonien praktisch angewandt.”


Quellenangaben:

Ellen Brown: Erinnerungen an die Hyperinflation in Weimar-Deutschland, Online-Artikel, Kopp-Verlag, 26.5.2009

Ist es jetzt wieder an der Zeit, die Schubkarren herauszuholen? Eine neue Betrachtung der Hyperinflation in der Weimarer Republik. Einige besorgte Kommentatoren prophezeien uns eine massive Hyperinflation wie zu Zeiten der Weimarer Republik im Jahre 1923, als die geplagten Deutschen mit einer Schubkarre voller Geldscheine noch nicht einmal ein Brot kaufen konnten. Ein Editorial, das am 29. April in der Zeitung San Francisco Examiner erschien, enthielt die Warnung: »Mit einem bisher nie dagewesenen Defizit von annähernd zwei Billionen Dollar ist der [vom Präsidenten für 2010] veranschlagte Haushalt ein todsicheres Rezept für eine Hyperinflation. Also unterstützt jeder Senator und Kongressabgeordnete, der für diesen Monsterhaushalt in Höhe von 3,6 Billionen Dollar stimmt, einen Kaufrausch, der aus Amerika eine zweite Weimarer Republik machen könnte.«

(5) Henry C. K. Liu, »Nazism and the German Economic Miracle«, Asia Times, 24.05.2005.

(6) S. Zarlenga, a.a.O.

(7) Matt Koehl, »The Good Society?«, Rense, 13. Januar 2005.
...ach ja, ich hatte mich mal gefragt, warum sich diese obengenannten Systeme dann nicht dauerhaft durchgesetzt haben, und bin bei meiner Recherche auf folgendes gestoßen:

Der US Autor Jim Marrs (sein Buch Crossfire, das Ergebnis seiner Untersuchungen zum Kennedy-Attentat, stand wochenlang auf der New-York-Times-Bestsellerliste und diente als Hauptquelle für Oliver Stones Kinoerfolg JFK) schrieb herzu in seinem Buch “Der Aufstieg des Vierten Reiches”, Kopp Verlag, Rottenburg, September 2009, ISBN 978-3-938516-0, auf Seite 45:

“Sie müssen verstehen, dass wir in diesem Krieg nicht gegen Hitler oder den Nationalsozialismus kämpfen”, sagte Churchill, “sondern gegen die Stärke des deutschen Volkes, das ein für alle Mal zerschlagen werden muss, gleichgültig ob es von Hitler oder einem Jesuitenpriester regiert wird.” In einem Brief an Lord Robert Boothby erklärte Churchill, dass “das unentschuldbare Verbrechen Deutschlands vor dem Zweiten Weltkrieg darin bestand, dass es versuchte, mit seiner Wirtschaft aus dem Welthandelssystem auszuscheren und sein eigenes Währungssystem zu schaffen, mit dem es der Weltfinanz die Chance auf Profite genommen hätte”.

Und entsprechend der Aussage Frau Browns ist das System der neuen Kolonien (der heutigen USA) damals aus folgendem Grunde gescheitert:

Im Jahre 1764 nutzte schließlich die „Bank of England” ihren Einfluss beim britischen Parlament und erreichte die Verabschiedung eines Währungsgesetzes, das es jeder britischen Kolonie (also auch der heutigen USA) untersagte, eigenes Geld zu drucken. Damit wurden die Siedler gezwungen, alle Steuern an England in Gold und Silber zu bezahlen, welches sie sich gegen Zinsen bei den Bankern leihen mussten. Für diese Entwicklung gab es mehrere Gründe. Der Hauptgrund war, dass die britischen Bankiers kein Geldsystem in den Kolonien haben wollten, welches ohne ihr Gold auskam und welches von der dortigen Regierung selbst in Umlauf gebracht wurde, da sie an diesem System nicht mitverdienen konnten.
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Impressum und Kontakt | geldmitsystem.org - Forum | Nach oben | Zum Inhalt | Archiv-Modus | RSS-Synchronisation