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Sprechen wir lieber von verteilter Regulation. Nichts regelt sich wirklich selbst
10-14-2011, 09:15 PM (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10-14-2011 09:25 PM von Manfred Gotthalmseder.)
Beitrag #1
Sprechen wir lieber von verteilter Regulation. Nichts regelt sich wirklich selbst
Fast alle heutigen Probleme sind */nicht /*durch Selbstregulation des Marktes zu händeln.
Es ist nunmal günstiger Atommüll ins Meer zu kippen als ihn zu lagern;
günstiger Bildung auf den Staat auszulagern als Lehrlinge anzustellen;
günstiger Rohstoffe auszubeuten als zu recyceln;
günstiger Öl zu verbrennen als Energie nachhaltig zu erzeugen,
günstiger sich ein Auto zu kaufen, das mit Benzin fährt, als mit Strom usw.
[...]
Die Geldschöpfung liegt derzeit hauptsächlich in der Hand vieler Geschäftsbanken.Nur weil es viele sind, die in Konkurrenz stehen, reguliert sich das System noch lange nicht in einer sinnvollen Weise. Regionalwährungen geben die Geldschöpfung in die Hand von noch mehr Geldschöpfern. Das bedeutet aber auch noch keine automatische Selbstregulation.
Selbstregulaton ist aus meiner Sicht ein Mythos. Man sollte lieber von verteilter Regulation sprechen. In einem freien Markt regulieren sich Nachfrage und Angebot nicht von selbst, sondern durch die freisten Mitglieder des Marktes, also jene, die fei entscheiden können. In einer Zeit mit Arbeitsplatzmangel kann der Arbeiter seinen Lohn nicht regulieren, in einer Zeit des Überangebots an Arbeitsplätzen durchaus. Im Fall der Geldschöpfung waren die Banken die "freisten" Marktteilnehmer und habendas System in ihrem Sinne reguliert.
Was die Banken betriff, so ist es wie mit den Fischern, die den Ozean leerfischen. Keiner hat etwas davon. Aber warum fischen die Banken Geld das Geld aus der Realwirtschaft und legen es im Finanzmarkt an, ohne zu bedenken, dass die Schuldner aus der Realwirtschaft ohne Rückführung der Gelder irgendwann keine Kredite mehr tilgen können? Weil jene Bank, die am meisten fischt, letztlich noch am besten da steht.
Ich sehe nirgends in der Welt eine Selbstregulation. Auch die Temperatur in einem Ameisenbau regelt sich nicht von selbst, sondern die Ameisen regeln sie. Nur müssen sie dies nicht bewusst tun, sondern tun dies aus Instinkt. Unser menschgeschaffener Lebensraum ist aber in Evolutionszeiträumen gedacht zu neu, als dass wir für irgend eine Regulation einen Instinkt mitbrächten. Unsere Instinkte mögen in der Natur eine Regulation bewirkt haben. So mag es sinnvoll gewesen sein, möglichst viel Zucker, Fett und Salz zu essen, weil dies knappe Ressourcen waren. Oder möglichst viel Beute zu machen, weil zu viel kaum zu machen war. In dieser Welt regulieren die Triebe und Bedürfnisse aus alter Zeit kaum etwas sinnvoll.
Das kann sich aber ändern. So lässt uns heute unser Bedürfnis nach Freiheit Geburtenkontrolle betreiben, und damit regulieren wir das Bevölkerungswachstum. Das war nicht immer so. Damit mit dies funktioniert, mussten erst andere Bedürfnisse abgedeckt sein, die dieser Freiheitsliebe sonst im Wege stünden. Geburtenkontrolle funktioniert nur unter der Bedingung, dass Verhütungsmittel erfunden, vermarktet und finanzierbar wurden, und ein Pensionssystem für unsere Altersvorsorge vorhanden ist. Ohne diese Bedingung würde der Sexualtrieb und das Sicherheitsbedürfnis nach Altersvorsorge durch Familienmitglieder über die Freiheitsliebe siegen.

Die Geburtenkontrolle zeigt, dass wir aus einer Welt, die uns durch Hunger und Krankheit dezimiert hat, in eine bessere kommen konnten, indem wir selbst die Regulation in die Hand nahmen. Dieses Modell gilt es auf andere Bereiche zu übertragen. Es gilt Bedingungen zu schaffen, in denen sich andere Bedürfnisse auch gegenseitig im Gleichgewicht halten, so auch das Bedürfnis nach Reichtum und materiellem Besitz. Ansätze dazu stehen in diesem Forum schon zur Diskussion:
Steuerabgaben auf ungenützen Besitz,
Kilowattstunde, Liter und Arbeitszeit als nicht spekulative Währungen,
Taxos gestützte Grundsicherung...
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10-17-2011, 06:36 PM
Beitrag #2
RE: Sprechen wir lieber von verteilter Regulation. Nichts regelt sich wirklich selbst
Hallo!

(10-14-2011 09:15 PM)m.gotthalmseder schrieb:  Ich sehe nirgends in der Welt eine Selbstregulation.

Auch wenn es teilweise zynisch ist, möchte ich dem widersprechen.
In meiner persönlichen Wahrnehmung gibt es in der Natur gesamt gesehen sehr wohl Selbstregulation. Und zwar eine Selbstregulation durch die "hard limits". Jede Lebensform, die die ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen über die Maßen (also über das Maß der Wiedererneuerung hinaus) verbraucht, wird aufgrund des daraus resultierenden Ressourcenmangels für die jeweiligen einzelnen Lebewesen reduziert. Ist der Ressourcen-Verbrauch zu groß, ist diese Lebensform sogar zum Aussterben verurteilt.
Diese Art der Selbstregulierung ist uns Menschen bekannt. Immer wieder wird behauptet, der Mensch wäre ein vernunftbegabtes Wesen. Ob dem auch tatsächlich so ist, wird sich herausstellen (und ich gehe davon aus, dass dies in der meiner Generation sein wird). Denn eines ist klar: es wäre sehr unvernünftig anzunehmen, dass die beschriebene Art der Selbstregulierung für die menschliche Spezies eine Ausnahme machen wird.
Die schon berühmt gewordene Frage "Are humans smarter than yeast?" wird beantwortet werden.

Nur zur Klarstellung: natürlich würde ich eine Regulation durch Vernunft einer Selbstregulation durch "hard limits" vorziehen - in allen Lebensbereichen.


Liebe Grüße,

Rm
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10-17-2011, 10:44 PM
Beitrag #3
RE: Sprechen wir lieber von verteilter Regulation. Nichts regelt sich wirklich selbst
Herr Mannsberger, in dieser Hinsicht gebe ich Ihnen Recht.
Und mehr noch. Es gilt zu begreifen, dass die Evolution kein Gesetz des Stärkeren ist, und wir alles tun dürfen, weil wir die stärkste Spezies sind. Nein, in der Evolution überlebt nicht einfach ein Individuum, wenn es stark ist, sondern es überleben Arten. Und diese überleben, wenn sie mit anderen zu einem nachhaltigen Kreislauf finden, indem die eine Art den Dreck der anderen beseitigt. So gehören immer auch Pflanzen zu solchen Unterkreisläufen.

Berachten wir die Evolutionsgeschichte als das Überleben der nachhaltigsten Untersysteme (also Arten, die miteinander einen Kreislauf bilden konnten), so stehen wir nicht mehr an der Spitze der Evolution, sondern an ihrem Ende, knapp davor ausgelöscht zu werden. Wenn dies passiert, reißen wir natürlich viele Arten mit.
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10-19-2011, 11:11 AM (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10-19-2011 11:24 AM von Manfred Gotthalmseder.)
Beitrag #4
RE: Sprechen wir lieber von verteilter Regulation. Nichts regelt sich wirklich selbst
In meinem Buch komme ich zu dem Schluss, dass der Sozialdarwinismus, also der Glaube an das Naturrecht des Stärkeren und an die Selbstregulation der Wirtschaft durch Wettbewerb, uns in die heutige Situation gebracht hat. Es stehen immer Werte hinter unseren Taten (an jeder Kette von Zielen steht am Schluss ein Wert), und diese Werte waren falsch.
"Neoliberalismus" wird die Krankheit bezeichnet, aber "Sozialdarwinismus" ist die Erklärung.

Im Wettbewerb siegt jener, der es schafft möglichst viele Aufwände auszulagern (z.B. an den Staat). Es siegt der Skrupellose, der Deckmacher (es ist billiger Atommüll ins Meer zu kippen), der global wirtschaftende, jener der Missstände ausnützen kann, (wo Elend ist gibt es günstige Arbeitskräfte). Die Wirtschaft wächst mit jedem Schaden den sie anrichtet, denn es braucht neue Unternehmen, um diesen zu reparieren. Ungeregelte Wirtschaft macht jede Menge unnötige Wirtschaft. Die Doppeldeutigkeit des Wortes kommt nicht von ungefähr.
Kurzum, ich sehe keine sinnvolle Selbstregulation durch Wettbewerb. Nicht einmal das klassische Beispiel der Preisbildung von Angebot und Nachfrage scheint eine ideale Regelung darzustellen. Gibt es viele Arbeitslose, so bestimmen die Unternehmen den Preis für Arbeit, und die Arbeitslosen, denen es ohnehin schon schlecht geht, können sich nicht helfen. Sie haben nun keine zeitlichen Reserven um sich weiterzubilden. Gibt es in einem Bereich zu wenige Fachkräfte, so können diese auch noch den Preis für Ihre Arbeit hoch schrauben, und die dann ohnehin schon unter Druck stehenden Unternehmen sind hilflos. In dieser Situation haben sie keine Kraft Ausbildung zu finanzieren.

In der Natur gilt nicht nur das Gesetz des Stärkeren. Es überleben auch die Sozialeren, (so können Erdhörnchen nur im sozialen Verband berleben), und vor allem auch die Kreativeren, wenn wir die natürliche Schaffung von Neuem in der Natur als Kreativität bezeichnen wollen. Die Kreativen besetzen neue Nischen, und kommen so den Stärkeren aus. Die Natur ist beherrscht vom Gesetz der nachhaltigsten Untersysteme. Arten, die mit anderen keinen nachhaltigen Kreislauf bilden konnten, haben ihren Lebensraum zerstört, und sind untergegangen. Die heutige Wirtschaftsform ist zum am wenigsten nachhaltigen Untersystem der Biosphäre geworden, und muss sich daher wandeln oder untergehen. Darin liegt die Selbstregulaton der Natur.

Die Natur hat uns einen Verstand mitgegeben, damit wir die Dinge sinnvoll regeln können. Wenn wir diesen nicht nützen, weil wir an "Selbstregulation" glauben, dann sind wir eine Fehlkonstruktion, und die Natur löscht uns aus. Wettbewerb ist einfach die mildeste Form des Krieges, danach kommt Korruption und der nächste Schritt ist physische Gewalt. Wer Krieg spielt wird Krieg ernten. Wir spielen Krieg gegen Mutter Natur, die uns ernährt. Wir können nur verlieren. Mit Regulierung hat Wettbewerb nichts zu tun.
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10-28-2011, 10:23 AM
Beitrag #5
RE: Sprechen wir lieber von verteilter Regulation. Nichts regelt sich wirklich selbst
Guten Tag

Sind Rohstoffe unendlich vorhanden - nein, genauso sollte "Geld" nicht unendlich vorhanden sein. Erst wenn ein Gut endlich ist wird sich der Markt darauf anpassen können, wenn wir nun eine begrenzte Menge (zinsfreies)Geld zur Verfügung hätten, würde Wirtschaftswachstum eine Stärkung der Kaufkraft nach sich ziehen(indem die Produktpreise fallen), genauso wie jedes zurückhalten(Sparen, Hinterziehung, beabsichtigter Betrug,......), einen Vorteil für die ganze Bevölkerung bedeuten könnte(sollte), also bin ich der Meinung das es nicht unbedingt Negativzinsen sein müssen, nein es muss in Tauschmittel in begrenzter Form her. Je nach Bevölkerungszuwachs, könnte neues Geld in das System eingebracht und durch Banken in Umlauf gebracht werden Wink Erst wenn es keine Zinsen mehr gibt, wird sich das hamstern von Geld aufhören, es gehört einfach der Anreiz genommen, nach immer mehr zu gieren Sad(
In unserem Zinsensystem nimmt die Kaufkraft immer weiter ab(aufgrund der steigenden Geldmenge), und da erklär mir einer dass das Zukunft haben soll Wink (Real)Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger Kaufkraftsteigerung, das sollte Ziel sein, leider passiert seit Jahrzehnten das Gegenteil(jeder weiß warum und schaut verblödet zu) Wink
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10-28-2011, 12:08 PM
Beitrag #6
Warum anonym?
Wer nicht den Hintern in der Hose hat, sich mit seinem echten und vollem Namen anzumelden, der hat auch nichts zu sagen.
Entweder man hat eine Position und kann die vertreten und das bitte widerspruchsfrei
oder
man will nur "feige(?)" hinter ein Pseudonym irgendwas herumblubbern.

Es ist etwas anderes, ob ein Beitrag mit der vollen Identität geschrieben wird oder aus der Anonymität heraus.

Wer nicht bereit ist mit "offenem Visier" für etwas einzutreten, der sollte bitte ruhig sein, dafür gibt es andere Foren.
Ich habe viel Respekt vor den Mitgliedern, die mit Bild und Namen schreiben.
Ich habe keinen Respekt vor anonymen Mitgliedern, die haben kein Rückgrat.

Man kann es korrigieren, einfach mit dem echten Namen anmelden.

Außerdem ist die monokausale Erklärung "Zins" falsch für viele Detailgebiete und immer noch gilt wie seit Jahrtausenden: Sparen idt die Ursache der Verschuldung, Zins gegünstigt es. Warum? Ohne Sparen kein Zins und auch praktisch keine Verschuldung. Gerade heute, wo so gut wie keine Geldanlagen mit nenneswertem Volumen existieren, ist aktives Sparen von Einkommen angesagt.

Es reicht schon wenn einige Mikroorgansationen den Unsinn mit "nur Zins ist Schuld" und "Sparen ist heilig" als auch "Sparen hat nichts mit Schulden zu tun" predigen. dern Mitglieder haben die Scheuklappen nach innen gestellt. Sobald auch nur einer einen Einspruch hat wird sofort ein orwellsches Schafsgeblöcke gestartet mit "Nur der Zins ist Schuld". (Ein Derivat aus Farm der Tiere, dort hieß es "Vierbeiner gut, Zweibeiner schlecht)
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07-02-2012, 10:25 AM (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07-02-2012 10:42 AM von Alexander Kernh.)
Beitrag #7
RE: Sprechen wir lieber von verteilter Regulation. Nichts regelt sich wirklich selbst
Ein perfektes System würde sich von selbst regeln. Einige behaupten die Natur unseres Planeten. Man muss nur die richtigen mathematischen Formeln finden. Mehr Numerik bzw. numerische Mathematik (ggf. numerische Methoden) würde dem Volkswirtschaftsstudium gut tun. Nee, anders: Es müsste ein Studium geben, das die Inhalte Volkswirtschaft, Informatik und Mathematik kombiniert, jedes zu 1/3. Da muss es dann 2 Semester Numerik geben, Statistik, Analysis, Algebra nicht, vielleicht Wahrscheinlichkeitsrechnung, Programmierung, gute teuere Mathematiksoftware z.B: Matlab, und die naturwissenschaftliche Wissenschafts-Methode muss vermittelt werden - das ist wichtig für das perfekte System. Nur Grundlagen von Algorithm Engineering (im Masterstudium von Informatik) müssen auch gelehrt, damit man so etwas wie das Exponentielle Wachstum versteht und versteht was für andere Wachstumsarten es gibt.


Nicht Wirtschaftsmathematik, das mehr BWL enthält und zu wenig Informatik.

Wenn wir genug solche Leute ausbilden würden, dann könnten die das perfekte Wirtschaftssystem erschaffen.

Einige aus dem MINT-Bereich habe ich schon Spotten gehört über solche Gebiete wie BWL, darunter Physiker, Maschinenbauer und andere.

Ein Wirtschaftssystem, das stark Gegenläufige Wachstumsfunktionen aufweist, wie lineares Wachstum zusammen mit exponentiellem Wachstum bricht irgendwann zusammen. Das mag jetzt eine monokausale Beschreibung sein, aber es gibt auch andere Ursachen fürs Zusammenbrechen.
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