Sehr geehrter Herr Buschbeck!
Sie haben natürlich völlig recht, dass unter heutigen Bedingungen, mit zweierlei Geldschöpfung (Notenbankgeld und Buchgeld) und der gegenwärtigen Rolle der Zentralbank die Frage nach einer "bereicherung" des Staates durch Geldschöpfung nicht stellt.
Wie Sie richtig schreiben: "Staatsanleihen sind ja heute ein Vorgang der Kreditvergabe der Geschäftsbanken, weil direkte Notenbankkreditvergabe untersagt ist." Und damit ist geht der Zinsgewinn natürlich an die Geschäftsbanken.
Die Fragestellung hier, ob ein geldschöpfender Staat seine Sozialausgaben durch indirekte Steuern finanzieren könnte, indem er das Geld schöpft, das er braucht, und damit eine stete Inflation auslöst, ergibt sich erst unter völlig anderer Rechtslage. Ich könnte mir vorstellen, dass Lohnabschlüsse, Richtlinien für Preissteigerungen etc. öffenltich herausgegeben werden, und somit keine Panik entsteht. Das System müsste nur bekannt und vertraut sein. Was tut eine extreme Preissteigerung von über 10%, wenn gesetzlich festgelegt ist, dass Gehälter in gleichem Ausmaß steigen? Niemand muss Panik bekommen. Die stete Inflation ließe Schulden und Vermögen schrumpfen, und brächte damit die Verteilungsextreme des bisherigen Systems zum verschwinden.
Freilich mag das in vieler Hinsicht eine Milchmädchenrechnung sein, aber das ist das derzeitige System auch. Eine einfache Milchmädchenrechnung kann durch Adaptionen vielleicht zu einem funktionierenden System werden. Eine komplexe Milchmädchenrechnung ist eine schlechte Ausgangsbasis.
Ihr kennt die Methode der Mathematik, komplexe Formeln zusammen zu kürzen. Wir sollten darüber nachdenken, wie sich ein Finanz- und Steuersystem zusammenkürzen lässt. So mag eine Geldumlaufsicherungsgebür etwas ähnliches sein, wie ein inflationierendes Geld. Sparer können mit ihrem Geld dann kein Geld verdienen, sondern nur nach und nach verlieren. Die Vermögenskluft steigt nicht, sondern fällt.
Nach Reichtum gestaffelte Steuerabgaben sind womöglich, unter Annahme einer Geldschöpfung in Staatshänden und Ausgabe der Zinseinnahmen für Sozialzwecke, gleichzusetzen mit erhöhter Geldausschüttung. Die dabei entstehende Inflation nimmt den Reichen mehr als den Armen. Eine Grundsicherung, die Arm und Reich gleichermaßen beschenkt, mag dies nur geringfügig ausgleichen, denn sagen wir 500 Euro/Monat sind für einen Reichen Peanuts. Wesentlich dabei ist einfach nur: Es könnte nahezu die gesamte Bürokratie aus Staat und Unternehmen weggespart werden, wenn Sozialausgaben durch Geldschöpfung finanziert, und als Grundsicherung ausgeschüttet werden. Es wäre nicht notwendig nachzuweisen, was jemand wo verdient, und ob zurecht. Heute geht ja bereits die Hälfte menschlicher Arbeit auf Büroarbeit über. Wir haben die Arbeit des Bauern durch Maschinen ökonomisch rationalisiert. Es hat sich aber gezeigt, dass sich Büroarbeit durch Computer zwar rationalisieren ließe, aber das Ausmaß der Bürokratisierung schneller anwächst als es arbeitstechnisch zu bewältigen ist. Niemand hat gelernt komplexe Systeme auf einfache zusammenzukürzen. Wir müssen die Ehrfurcht der Mathematik vor einer schönen einfachen Formel übernehmen, anstatt dieser Ehrfurcht vor der Komplexität beizubehalten.
Das einfache Geldsystem, das ich hier zur Diskussion stelle, hat es im Mittelalter schon einmal gegeben, und unserem Mitglied Dr. Berger zufolge,
war dies eine Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs.
Ob nun die Abgaben an den Staat durch Inflation (wie hier angedacht) oder durch einen Geldumtausch mit Verlust am Jahresende erfolgen (wie damals), ist ja nicht so wesentlich. Wichtig erscheint mir, das System wieder neu und einfach aufzusetzen, wie einen Computer, der kapituliert, weil auf ihm schon zu viele Programme laufen.