Die Mathematik des Geldes als gemeinsame Grundlage

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Am Anfang dieser gemeinsamen Web-Plattform der unabhängigen Geldsystemtheoretiker und Aktivisten standen unsere 10 Kernaussagen. Diese sind unverändert gültig, aber inzwischen habe ich als Initiator der Plattform intensiv daran gearbeitet, die verschiedenen Ansichten in der Gruppe zu einem allgemeinen Statement zu vereinen, das sich auf drei Texte erstreckt: 1. Ist-Zustand und möglicher Wandel , 2. Zinsmechanik des Nullwachstums , 3. Empfehlungen an die Politik.

Wenn heute alle mathematischen Zugänge, welche den Crash vorausgesagt haben, auf notwendige System- änderungen verweisen, so sind nicht die Modelle falsch, sondern das System.


MMag. Manfred Gotthalmseder
Link zum Thema im Diskussionsforum


Als Leiter dieser Initiative überlege ich schon lange, was unsere Gruppe vertreten kann, abgesehen von der Kritik am derzeitigen System. Viele alternative Systeme der hier genannten Mitglieder beruhen auf einer Gebühr auf Geld oder auf negativen Zinsraten. Der Rest der Experten hält solche Ideen teils nicht für notwendig, weil auch andere Vorschläge zur Regulierung vorhanden sind. Aber auch von diesen Experten wird ein Negativzins meist als sinnvoller erachtet als die derzeitige Zinsnahme. Ich selbst sehe weniger in der Zinsgabe und Zinsnahme der Banken, als in anderen Formen exponentieller Vermögensvermehrung die Ursache der heutigen Krise. Aber auch Gewinne aus dem Wertpapierhandel verhalten sich proportional zur eingesetzten Geldmenge. Und auch die Erträge von Unternehmen verhalten sich proportional zu deren Größe. So gesehen gelten Exponentialkurven auch für andere Kapitalanlagen. Das Phänomen des Geld- und Schuldenwachstums mathematisch zu fassen ist also in jedem Fall eine Grundlage, deren Vermittlung wir alle vertreten können.
Dieser mathematische Zugang zur Geldtheorie soll hier durch ein von mir geschriebenes Simulationsprogramm vermittelt werden, das in zwei Versionen vorliegt und direkt über die folgenden Verlinkungen gestartet werden kann. Es dient dem Betrachter der Website dazu, die hier dargelegten Erkenntnisse nachzuvollziehen, und sich in die Auswirkungen von Vermögenszuwächsen durch Renditen oder Zinsen, sowie die Wirkung von negativen Zinsen hineinzudenken:

Simulation zu positiver und negativer Verzinsung von Geld

Simulation zu Sparformen in Systemen mit negativer Verzinsung


Europas Wirtschaft steuert Richtung Nullwachstum

Der eigentliche Auslöser, der uns zu dem Schluss bringt, dass das gesamte Geldsystem neu zu überdenken ist, besteht in der Annahme, dass ein gesundes System mit Nullwachstum zurecht kommen muss. Unser heutiges System ist derart instabil, dass selbst ein vorübergehendes Nullwachstum zu seinem Zusammenbruch führen würde.

Europa hat das Nullwachstum im Prinzip fast erreicht. Vorreiter war der Wachstumsstopp der Bevölkerung, nun folgt der Rückgang der Energieressourcen. Weiters schwinden die Produktivkräfte, da die Mehrzahl der Bevölkerung administrative Tätigkeiten ausführt, und eine überalterte Gesellschaft sehr viele Pensionisten zu tragen hat. Dementsprechend ist nicht mit weiterem Wirtschaftswachstum zu rechnen.


Links zu den Quellen:      BIP/Kopf       Oil/Person       Population/EU

Prinzipiell mag es dem Menschen durchaus gelingen, die Population auf Erden weiter in die Höhe zu schrauben. Die NASA betreibt eine Studie für einen möglichen Flug auf den Mars. Die Astronauten leben dabei im Raumschiff in einer Symbiose mit Algen, die auf einer Nährlösung aus deren Exkrementen wachsen und als Nahrung dienen. Gelingt dies, so mag unser Planet auch die 20-fache Population tragen. Die Erde vollgepflastert mit Algenkollektoren, die restliche Tier- und Pflanzenwelt ausgelöscht, die Menschen 24 Stunden am Tag vor dem Fernseher, denn außerhalb der Gebäude gibt es dann nichts mehr zu erleben. Wem derartiges nicht sinnvoll erscheint, der sollte rechtzeitig über Nullwachstum nachdenken.




Global betrachtet hat Europa eine Vorreiterrolle. Die Weltbevölkerung insgesamt wird ebenso zum Nullwachstum übergehen müssen, wie dies hierzulande schon geschieht. Wenn wir uns fragen, was die extreme Bevölkerungsexplosion unserer Zeit bewirkt hat, so ist es wohl die technische Entwicklung gewesen. Da der Mensch in Zukunft mit nachhaltig gewonnener Energie auskommen muss, liegt nahe, dass die Population, wie alle natürlichen Systeme, zu einem Nullwachstum übergehen wird, denn nachhaltige Energie ist ja selbst ein natürliches System.

Gerne wird argumentiert, dass zwar auf materieller Basis das Wirtschaftswachstum begrenzt ist, auf geistiger jedoch unendlich. Aber verschont uns das davor, unser Geldsystem an das materielle Wachstum anpassen zu müssen? Geistige Werte erweisen sich in unserer Kultur als schlecht bezahlt. Ein wissenschaftliches Werk verkauft sich schlechter als ein populärwissenschaftliches. Musikantenstadl-Musik besser als Klassik. Selbst technisches Know-How verliert schnell seinen Wert. Ein Tintenstrahldrucker kann heute mehr, als vor 10 Jahren, aber ist er deshalb teurer? So lange geistige Werte keinen dauerhaften hohen Preis rechtfertigen, ist damit kein Wachstum zu argumentieren. Wir werden uns auf Nullwachstum einstellen müssen.

Alle natürlichen Systeme, die sich im Gleichgewicht befinden, weisen Nullwachstum auf. In einem Wald wachsen so viele Bäume nach, wie verfallen, in einem Korallenriff so viele Fische wie versterben, usw. Ein System kann ins Ungleichgewicht kommen, zum Beispiel durch die Einwanderung einer neuen Art. Die ausgewilderten Hunde Australiens konnten sich somit erst einmal exponentiell vermehren. Inzwischen hat die Natur ihnen aber, durch mangelnde Nahrung wieder eine Grenze gesetzt.



Die Kurve, welche das Populationswachstum in einem solchen Fall beschreibt, wurde am Hefewachstum erforscht. Der erste Teil der Kurve verläuft exponentiell. Der Faktor, der das Wachstum begrenzt, ist (im Fall der Hefe die Alkoholanreicherung der Nährlösung) noch nicht wirksam. Im zweiten Teil der Kurve muss diese bremsende Komponente in die Formel Eingang finden. Die Wachstumsreduktion wird mit zunehmender Population umso wirksamer. Eine derartige Kurve wird auch die Menschheit erfassen.

Wir haben zwei Möglichkeiten: Entweder wir begrenzen das Wachstum freiwillig, oder wir werden grob dazu gezwungen. Die größte Leistung der europäischen Zivilisation besteht in der bewussten Geburtenkontrolle. Ohne diese würden wir von der Natur durch Seuchen und Hungersnöte genauso grob in Schranken gewiesen wie alle Kulturen vor uns.

Es sollte eigentlich jedem verständlich sein, dass es sich mit der steigenden Geldmenge genauso verhält. Eine stagnierende Wirtschaft bedarf keiner steigenden Geldmenge. Entweder wir schaffen es, ein Geldsystem zu entwickeln, das Nullwachstum aufweist, oder die Regelkreise des Systems begrenzen unser Tun auf die grobe Art. Das bedeutet hin und wieder starke Inflationsschübe, so dass die Kaufkraft sich wieder der Warenmenge anpasst.
Es hat sich gezeigt, dass die Gehälter und Pensionen nie vollständig der Inflationsrate angeglichen werden. Eine ungeregelte Wirtschaft führt daher zu einer steigenden Vermögenskluft, die in sozialen Konflikten endet. Wie also kann erreicht werden, dass Geldvermögen irgendwann ihr Wachstum einstellen?

Um dies zu beantworten wollen wir die Mechanik des Nullwachstums an einer Stadt erläutern. Nullwachstum bedeutet nicht, dass keine Häuser mehr gebaut würden, sondern lediglich, dass jedes Jahr gleich viele Häuser hinzu kommen. Die Stadt wächst also weiter. Allerdings verfallen auch Häuser. In einer großen Stadt verfallen mehr Häuser als in einer kleinen. So kommt ab einer gewissen Größe der Stadt ein Gleichgewicht zwischen dem jährlichen Zubau und dem Verfall zustande. Die folgende Kurve, welche die Stadtgröße auf einer Zeitleiste beschreibt, hat Axel Grimm auf seiner Website zum Nullwachstum veröffentlicht:



Die hinter dieser Kurve stehende Formel ist für alle natürlichen Systeme gültig, die sich im Gleichgewicht befinden.
Oft wird argumentiert, dass doch Lebewesen anfangs exponentiell wüchsen. Aber ist das so? Der Zellhaufen teilt sich, aber wer genau beobachtet sieht, dass sich dabei nicht das Gewicht verdoppelt. Die Zellen werden lediglich immer kleiner. Betrachten wir die Wachstumskurve von Hunden über 18 Monate hinweg, so beschreibt diese einen kontinuierlichen Übergang in das Nullwachstum, und keine Exponentialfunktion:


aus: http://www.bozita.com/PageFiles/1241/Wachstumskurve2.jpg


Diese Kurve wird uns weiter unten in den Überlegungen zum Negativzins wieder begegnen. Ein Negativzins bedeutet also nichts anderes als dass ein Sparer sein Vermögen nach etwa 100 Jahren nicht mehr weiter vermehren kann, weil es eine Wachstumsgrenze erreicht hat. Dies hat für den einzelnen Sparer momentan wenig Bedeutung. Für die generationsübergreifende Entwicklung der Vermögenskluft innerhalb einer Gesellschaft ist der Unterschied zwischen Positiv-Sparzins oder Negativ-Sparzins jedoch gewaltig. Dies wird aus den folgenden Simulationen von fiktiven Sparkonten deutlich hervorgehen. Der Positivzins führt zu einer zunehmenden (positiven) Rückkopplung, und damit zur Zerstörung des Systems durch eine zunehmende Vermögenskluft soziale Konflikte und in letzter Konsequenz provoziert. Der Negativ-Zins führt das System in ein Gleichgewicht, weil er jedes Vermögen nach ca. 100 Jahren an eine Wachstumsgrenze bringt. Positive Rückkopplungen kommen in der Natur nur bei Katastrophen vor, wo Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten. Ein Beispiel: Je mehr Methaneis im Ozean auftaut, desto stärker wird der Treibhauseffekt und die Temperatur steigt an. Je mehr die Temperatur ansteigt, desto mehr Methaneis taut wiederum auf usw.

Warum bedarf es überhaupt des Zinses oder einer Gebühr?

Der Positivzins: Kreditvergabe wird motiviert durch Kreditzinsen.

Wäre für Kredite kein Zins zu bezahlen, so würde jeder einen Kredit anstreben, der erst nach seinem Ableben durch den Verkauf des zugrunde liegenden Pfandes getilgt wird. Aber wer wäre dann noch bereit Geld zu verleihen? In einem System, das auch Sparformen anbietet, die Gewinn bringen, wird niemand unverzinste Kredite geben. Die Kreditzinsen machen den Geldverleih lukrativ und bringen den Banken Gewinne, durch die sie auch Sparzinsen verteilen können. Die kleine Zinsdifferenz fällt dabei auf lange Sicht stärker ins Gewicht als man vermuten würde.
Geld kommt in unserem System durch Kreditvergabe in Umlauf. Würden alle Schulden bei den Banken beglichen, so wäre kein Geld mehr in Umlauf. Schulden in der Höhe der gesamten Geldvermögen müssen also dauerhaft aufrecht bleiben und die Banken kassieren Zins auf all die vorhandenen Schulden.

Starten wir unsere Überlegungen mit einer in Umlauf gebrachten Geldmenge von 100.000 €, und den damit entstandenen Schulden, die sich spiegelbildlich nach unten abzeichnen. Nun wachsen die Geldvermögen der Sparer durch den Sparzins nach oben an, und die Bank muss diesen Wachstum finanzieren. Sie tut dies durch die Zinseinnahmen von den Schuldnern, und hält den Kreditzins höher als den Sparzins, um auch noch eigene Einnahmen zu haben. Obwohl in der folgenden Grafik die Zinsdifferenz nur 1,88% pro Jahr beträgt, ist die Differenz des Schulden- und Vermögenszuwachses viel größer, als man gemeinhin schätzen würde. Die Dynamik von exponentiellen Wachstumskurven wird stets unterschätzt.



Da die Vermögen von Banken (rot) letztlich den gesamten Vermögen zuzurechnen sind, und nach oben gespiegelt werden müssten (was in der vorherigen Grafik nicht dargestellt ist), bleibt in unserem heutigen Geldsystem die Summe der Vermögen immer gleich der Summe der Schulden. Dazu hier eine Statistik der deutschen Bundesbank:


(aus: http://www.geldsyndrom.de/images/GeldvermoegenSchulden2010.png)


Wie schon erwähnt sind wir davon ausgegangen, dass nur 100.000 € Startkapital vorhanden waren. Die Banken wollen nach 65 Jahren bei 5,55% Verzinsung jedoch über drei Millionen von den Kreditnehmern. Es gibt viele Internetseiten, die glaubhaft darstellen, dass dies nicht möglich ist. Real ist es natürlich so, dass immer wieder neue Kredite aufgenommen werden, um die anwachsenden Schulden andernorts zu tilgen. Mit jeder Kreditvergabe wird auch neues Geld geschöpft, und das Buchgeldvolumen wächst. Dies ist einer der Gründe (ein anderer wird ganz unten im Text erwähnt), weshalb sich die Summe der Geldvermögen seit den 1970er Jahren in Deutschland verzwanzigfacht hat. Weltweit hat sie sich sogar vervierzigfacht. Das sind Zahlen jenseits des Wirtschaftswachstums. Da damit auch die Schulden exponentiell wuchsen, können Wirtschaft und Staat heute die Zinslast kaum mehr tragen. Die durchschnittlichen Vermögenszuwächse am Wertpapiermarkt lagen außerdem in den letzten Jahrzehnten über den Bankzinsen. Wird Vermögen am Finanzmarkt akkumuliert, so fehlt es der Realwirtschaft und dem Staat, und so musste dort genauso viel mehr an Schulden aufgenommen werden, wie andernorts sich an Geldvermögen angesammelt hat. Die Erfassung der Geldmenge entspricht im Übrigen nicht der hier dargestellten Summe der Geldvermögen, da zur Geldmenge nur Gelder gezählt werden, die nicht langfristig gebunden sind. Die Summe der Geldvermögen überragt die der Geldmenge M1 in Deutschland um das 8-fache.

Unser heutiges System entspricht einer umgekehrten Vermögenssteuer. Es wird den Armen Geld genommen, in Form von Zinsen den Vermögenden zukommen zu lassen. Wir dürfen uns also nicht wundern, wenn das System nun an der steigenden Vermögenskluft zerbricht.

Der Negativzins: Kreditvergabe wird motiviert durch Gebühr auf Geld.

Die meisten der heute bekannten alternativen Geldmodelle schlagen einen Negativzins oder eine Gebühr auf Geld vor. Im ersten Moment mag eine solche Gebühr gänzlich unsinnig erscheinen. Würden wir ein Vermögen erben, aber nichts damit anfangen, so verschwände dieses nach und nach. Das ist doch nicht wünschenswert, oder?
Genau wie in der obigen Grafik mit den Kreditzinsen starten wir mit 100.000 €. Die Grafik ist nun anders skaliert, und deshalb zeichnet sich der Betrag optisch höher ab. Nun beginnt das Geld entlang einer negativen Wachstumskurve zu schwinden. Die gelb eingezeichnete Fläche stellt den Vermögensverlust dar, der durch die Gebühr auf Geld entsteht. In den meisten Modellen geht diese Gebühr an den Staat. Der Staat hat somit immer genug Geld, um zum Beispiel allgemeine Aufwände zu finanzieren, oder eine Grundsicherung an die Bürger zu vergeben.



Niemand wird in einem solchen System ein Vermögen in Form von Geld ansammeln, sondern würde es wohl in Grund und Boden, sowie in Rohstoffe ohne Verfallsdatum, wie bspw. Edelmetalle anlegen. Um also ein solches System zu installieren, müssten für den Besitz solcher Rohstoffe, sowie für Landbesitz als reine Vermögensanlage die gleichen Gebühren wie für Geld anfallen. Dies erscheint auf den ersten Blick umständlich. Doch genau genommen gibt es gar nicht so viele Güter, welche kein Verfallsdatum haben. Häuser, Autos, und alle Dinge mit Zweck, wie Fabriken etc. können nicht beliebig gehortet werden, denn irgendwann muss der Inhaber all sein Einkommen für die Erhaltung dieser Dinge aufbringen, so wie er hier auch ständig bezahlen müsste, um die Gebühr auf Geld auszugleichen um sein Geldvermögen zu erhalten.

Systeme in denen eine Gebühr auf Geld anfällt,
lassen es zu, andernorts zu Geld zuzuführen

Eine Gebühr auf Geld lässt Geld verfallen, wie die nicht wieder ausgegrabenen Nüsse des Eichhörnchens. Am Ende des Winters sind vier von fünf Nüssen ungenießbar. Aus dem Verfall aller lebenswichtigen Ressourcen in der Natur ergibt sich, dass nichts über längere Zeiträume gehortet werden kann. Diese Veranschaulichung zeigt auch Folgendes: Das Eichhörnchen kann zwar nicht alle Nüsse konsumieren, was scheinbar einen Verlust darstellt. Tatsächlich erweisen sich die nicht gefundenen Nüsse jedoch als sehr nützlich, wenn sie keimen und zu einer neuen Pflanze heranwachsen. Eine neue Pflanze nützt letztlich allen Eichhörnchen.
Es gibt Geldmodelle, welche dieses Prinzip nachbilden, und bei denen Geld als Geschenk zur Verfügung gestellt wird. Joytopia ist ein gutes Beispiel für ein solches Modell. In diesem Modell bekommt nicht jeder beliebig viel geschenkt, jedem steht das gleiche Grundeinkommen zu. Da dieses Grundeinkommen regelmäßig ist, bedarf es am anderen Ende auch eines Verfalls, damit die Geldmenge nicht ständig steigt. Dieser Verfall wird in Joytopia durch eine Gebühr auf Geld realisiert. Dies entspricht einer Simulation eines starken Negativzinses. Die Geldmenge hält sich die Wage, da neues Geld linear eingebracht wird, wie die Energie, welche von der Sonne auf die Erde kommt. Der Schwund aber ist proportional zur vorhandenen Geldmenge, so wie die Wärmeabgabe der Erde an das Weltall proportional zur bereits vorhandenen Temperatur des Planeten ist. So pendelt sich das System bei einem bestimmten Wert ein.

Eine Gebühr auf Geld verhindert
exponentielles Geld- und Schuldwachstum

Der positive Zins führt in unserem heutigen Geldsystem zu einem Anwachsen der Summe der Geldvermögen und Schulden in Richtung Unendlichkeit. "Positiv" ist hier rein technisch-mathematisch zu verstehen – die positive Rückkopplung hat real negative Konsequenzen. In unserem Geldsystem entsteht eine solche Rückkopplung dadurch, dass mit Geld ohne realwirtschaftliche Leistung Geld zu verdienen ist. Niemand kann beliebig viel Geld verdienen, wenn er etwas dafür leisten muss. Zinseinnahmen und Renditen können hingegen beliebig steigen. So gibt es keine Grenze dieser Form des Gelderwerbs, bis die Vermögen derart anwachsen, dass auf der anderen Seite die Schuldlasten nicht mehr getilgt werden können.

Natürliche Prozesse sind normalerweise negativ rückgekoppelt. Unser obiges Beispiel war die lineare Einstrahlung von Sonnenlicht und die proportionale Abstrahlung der Wärme in das All. Legt man das Prinzip der negativen Rückkopplung auf das Geldsystem um, kommt man zu einem negativen Zins. Für den einzelnen Menschen und sein Sparkonto ist ein System mit Gebühr auf Geld leicht zu veranschaulichen. Das folgende Beispiel ist durch eine überhöhte Verzinsung von -30% im Jahr sehr unrealistisch gewählt und dient nur der grafischen Verdeutlichung des Prinzips:



Die Zacken, welche zu sehen sind, stellen die monatlichen Einzahlungen auf das Sparkonto dar. 12 Mal pro Jahr mehrt sich also das Geld am Konto. Aber die Gebühr auf Geld wird täglich verrechnet, und frisst bis zum Folgemonat wieder Geld weg. Da sich die Gebühr auf den gesamten am Konto befindlichen Geldbetrag bezieht, ergibt sich kaum ein Verlust, so lange das Vermögen klein ist. Je größer es wird, desto steiler werden die Zacken, bis die Gebühr den ganzen Betrag auffrisst. Damit pendelt sich das Vermögen bei einer gewissen Größe ein. In der Grafik sind auch dunkelgrüne Streifen zu sehen. Die Geldmengen, welche in verschiedenen Jahren verdient wurden, sind unterschiedlich eingefärbt, damit erkannt werden kann, wie sich das Geld der frühen Jahre langsam durch die Gebühr verflüchtigt, während von den späteren Jahren noch viel Geld am Sparkonto verbleibt.

Lineares, positiv- und negativ rückkoppelndes Wachstum im Vergleich

Um diese grünen Streifen, welche das Geld aus verschiedenen Jahren darstellen, besser zu verstehen, hier einmal eine Grafik, die darstellt wie sich sparen ohne jeden Zinssatz in der Simulation grafisch abbildet. Die monatlichen Geldzuwächse (Zacken) sind hier zu klein um sichtbar zu sein, da die Simulation über 65 Jahre lief. Das im 32. Jahr ersparte Vermögen wurde rot eingezeichnet. Im zweiten Lebensabschnitt wird genau so viel gespart wie im ersten:



Ein Positivzins, wie wir ihn heute kennen, führt innerhalb einer Spar-Lebensspanne zu einem ganz anderen Ergebnis. Dieses Ergebnis lässt uns auch begreifen, warum sich für Vermögende das Arbeiten nicht lohnt. Die zuletzt hinzukommenden jährlichen gesparten Beträge fallen im Verhältnis zu den Zunahmen durch Zins überhaupt nicht mehr ins Gewicht. Nur die ersten 32 Jahre sind entscheidend. Das im zweiten Lebensabschnitt Ersparte über der roten Linie fällt vergleichsweise gering aus, und das obwohl der Vermögenszuwachs mit 3,67% für die vergangenen 65 Jahre durchaus realistisch gewählt wurde. Es scheint sich kaum noch zu lohnen, im zweiten Lebensabschnitt weiter zu sparen.



Der Vergleich mit der Grafik zuvor zeigt, dass der Sparer bei einem Vermögenszuwachs von 3,67% nach 65 Jahren das Vierfache des Vermögens erhält, das er selbst eingezahlt hat. Wo kommt denn all dieses Geld her? Natürlich aus den Kreditzinsen, welche die Schuldner zahlen (sollen). Wir leben also heute in einer Zeit der Umverteilung von Fleissig zu Reich.

Ganz anders sieht die Sache natürlich für den Negativzins aus.



Zuerst einmal fällt auf, dass sich die Vermögenskurve abflacht – das beim Positivzins wuchernde, exponentielle Wachstumverhalten tritt nicht auf. Interessant an der Grafik ist aber auch die Dominanz des im zweiten Lebensabschnitt erwirtschafteten Vermögens (über der roten Linie). Jüngst Verdientes hat mehr Gewicht. Die Dynamik des Negativzinses motiviert somit auch Vermögende, noch einer Arbeit nachzugehen. Wer die Grafik genau betrachtet, bemerkt sicher auch, dass in diesem Fall das monatliche Sparvermögen höher angesetzt wurde als beim linearen Sparen. Es wurde berücksichtigt, dass die Gelder, welche durch die Gebühr eingezogen werden, irgendwie in den Wirtschaftskreislauf zurück wandern müssen, und sei es durch ein Grundeinkommen. Die erhöhte Geldmenge in der Wirtschaft führt zu höheren Einkommen und zu höherem Sparvermögen.

Entspricht die heutige Geldwertrelativierung durch Inflation nicht ohnehin einer Gebühr auf Geld?

Ich will darauf zwei Antworten geben. Zum Einen sind die Vermögenszuwächse einer reichen Minderheit zu stark, als dass für sie Inflation auch nur irgend eine Rolle spielen würde. Die folgende Grafik zeigt das Vermögen der Brüder Albrecht, den reichsten Unternehmern Deutschlands (Unternehmen Aldi). Um 27.200.000.000€ innerhalb von 50 Jahren anzusammeln, bedarf es bei einem angenommenen Startkapital von 1.000.000 eines jährlichen Zuwachses von 22.66%. Die Rechnung habe ich Dr. Wozniewsky nachgestellt: http://meudalismus.dr-wo.de/html/zinskritik.htm#1



Wozniewsky unterscheidet nicht zwischen Firmen- und Privatvermögen, da heute durch den Verkauf von Firmen, Privatvermögen gemacht werden kann. Ihm geht es darum, die gigantische Machtverschiebung durch Kapital aufzuzeigen, welche unsere Demokratie gefährdet. http://meudalismus.dr-wo.de/html/stundenloehne2010.htm
Natürlich wachsen Unternehmen bestenfalls Anfangs exponentiell, denn würde die Firma noch 28 Jahre so weiter wachsen, besäße sie das gesamte jetztige Geldvermögen Deutschlands. Da die Wirtschaft den Gesetzen der Natur nicht entkommen kann, und da es in der Natur kein anhaltendes exponentielles Wachstum gibt, handelt es sich auch bei dem Wachstum der Kaufhaus-Kette der Brüder Albrecht nicht wirklich um Wachstum, sondern um Marktanteilsübernahme. Das heißt, es hat vorher viele kleine privat geführte Einzelhandelskaufläden gegeben, und an deren Stelle ist nun die Aldi-Kette getreten.

Wir erkennen eine exponentiell wachsende Machtakkumulation bei bestenfalls linear wachsender Wirtschaft. Es handelt sich also um eine zunehmende Monopol-Bildung, und damit die Aufhebung des natürlichen Wettbewerbs unter gleichstarken Konkurrenten.
Die Brüder Albrecht wären wohl auch in einem Geldsystem mit Gebühr auf Geld finanziell erfolgreich gewesen, und ihr Firmenvermögen würde auch dann eine Wachstumskurve beschreiben, wenn auch nicht eine derart steile. Denn zum Einen hätten sie durch die Gebühr viel zum allgemeinen Wohlstand der gesamten Bevölkerung beigetragen, und zum Anderen hätten - unter der Annahme von Existenzsicherung und Nullzinskrediten - viel mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, was ebenfalls wieder den Wohlstand der Gesellschaft gesteigert hätte. Es wäre den Albrechts mehr Konkurrenz begegnet und Lohndumping wäre unmöglich gewesen.
Eine Inflation hat nicht den gleichen Effekt wie eine Gebühr auf Geld, weil die Inflation keinen (sozialen) Ausgleich schafft. Die Gewinne aus den Preissteigerungen werden nicht sofort vollständig in höhere Gehälter investiert, denn Unternehmen wollen wachsen. So steigert die Inflation die Vermögenskluft, während eine Gebühr auf Geld diese mildert.
Die 1.000.000€ Startkapital, die wir in dieser Grafik angenommen haben, erscheinen in Relation zum heutigen Vermögen irrelevant klein, ja so klein, dass der grüne Balken auf der Grafik an der Nulllinie zu liegen scheint. Aber in einem System, in dem Vermögen durch Kapital erzeugt wird, ist das möglicherweise entscheidend. Kleine Unterschiede nach dem Krieg mögen große Startvorteile gewesen sein. Wer einen Kleinlaster hat, wenn alle anderen Fahrrad fahren, hat einen Vorteil, und damit ist sehr viel wahrscheinlicher, dass er Gründer eines zukünftigen Großunternehmens wird, auch wenn aus späterer Sicht der Kleinlaster nur mehr geringen Wert hat.

Innerhalb dreier Lebensjahrzehnte wird sich für den Durchschnittsbürger bei Gebühr auf Geld nicht viel ändern

Die Angst vor einer derartigen Umkrempelung des Systems ist unbegründet, denn für den Durchschnittsbürger wird sich vorerst nicht viel ändern. Der Durchschnitt nimmt zusätzlich Kredite auf, wenn es darum geht einen Wohnort zu finanzieren. Eine Stadtwohnung oder ein Einfamilienhaus am Land, für eine Famile zweier berufstätiger Menschen, kostet heute mindestens 300.000€. 50.000€ mag jeder einbringen und 100.000€ jeder aufnehmen. 650€ monatlich mag jeder Partner zur Kredittilgung beitragen können. Wir wollen im folgenden Beispiel annehmen der Kredit wird über 22 Jahre getilgt, und danach wird neues Vermögen angespart. Betrachten wir dies zunächst mit unserem heutigen Zinssystem:



Und nun in einem Geldsystem mit einer Gebühr auf Geld:



Wir erkennen, dass im zweiten Fall die Rückzahlung des Kredits schon nach 13 Jahren erledigt ist, aber das Ansparen von Vermögen langsamer verläuft. Nach 18 Jahren, wenn die Kinder ausziehen, haben die Partner wieder genug Vermögen, um sie zu unterstützen und gegebenenfalls eigene Wege gehen zu können. Das Vermögen nach 30 Jahren ist ähnlich dem heutiger Sparformen, obwohl wir hier keine höheren Tilgungsraten/Sparquoten angenommen haben.

Gesamtgesellschaftlich kommt es zu einer radikalen Änderung,
denn die nächste Generation erbt nicht mehr von entfernten Vorfahren,
sondern überwiegend nur was der Vererber erwirtschaftete!

In vielen alternativen Geldtheorien wird auch das Erbrecht über den Haufen geworfen, denn es ist nun einmal so, dass es in der heutigen Welt viel leichter ist, auf der Basis von ererbtem Vermögen Geld zu verdienen als ohne eine solche Erbschaft. Ganze Familienclans leben über Generationen in Reichtum, den sie nicht selbst, sondern ferne Vorfahren erarbeitet haben.
Wenn zwei Konkurrenten im freien Markt um die Käufer ringen, und einer der Konkurrenten Schuldlasten zu tilgen und Mieten zu zahlen hat, während der andere auf Eigentum aufbauen kann, so ist klar, wer die günstigeren Preise machen kann und den Wettbewerb gewinnt. Der Verlierer geht in Konkurs. Für die Finanzierung der Konkurse und Kreditausfälle müssen andere Kredite höher verzinst werden, was wiederum die Wahrscheinlich für weitere Tilgungsausfälle von Kreditnehmern erhöht. Eine ähnliche positive Rückkopplung finden wir bei den Staatsschulden. Je größer die Schulden, desto geringer das Vertrauen der Anleger in die Staatsanleihen, desto größere Zinsgewinne müssen ihnen versprochen werden. Wir sehen: Dadurch, dass unser Geldsystem auf einer positiven Rückkopplung aufgebaut ist, entstehen in den Unterbereichen ebenfalls überall diese eskalierenden Schleifen - ein untragbares Erbe für die nächste Generation!

Über die Schwierigkeit des Gleichgewichts im heutigen System

Ein solches System ist mittel- bis längerfristig nicht im Gleichgewicht zu halten. (Positiv rückgekoppelte System können nicht stabil sein. Das ist ein technisch-mathematisches Faktum!) Es kommt unvermeidlicherweise zu einer extremen Vermögenskluft und zu eskalierenden Schulden und Geldvermögen. Dies lässt sich auch ganz gut an der Simulation hier zeigen. Die folgenden Grafiken zeigt das Sparkonto eines Sparers mit 3,67% Sparzinsen, die Kreditzinsen sind ebenfalls 3,67%. Wir nehmen an, er kann nur 200 Euro im Monat beiseite legen.

Beginnt er mit einem Kredit von 50.000€ (also ein negatives Startkapital) so vererbt er seinen Nachfahren nach 65 Jahren über 105.000€.



Beginnt er mit einem Kredit von 60.000€ erben seine Nachfahren kein Geld.



Und beginnt er mit einem Kredit von 70.000€ so werden die Nachfahren nicht mal einen Boden unter ihren Füßen erben, denn die Schulden steigen auf über 100.000€ und das Elternhaus wird verpfändet.



Das Gleichgewicht in einem System mit Gebühr auf Geld: Die Nachfahren erben die Leistung, nicht das potenzierte Startvermögen der Vorfahren

Betrachten wir nun die Sache in einem System mit gleich hohem negativem Zins. Wieder wollen wir annehmen, dass eine Person gerade mal 200€ Sparvermögen monatlich beiseite legen kann:

Startet eine Person mit einem Kredit von 70.000€, so kann sie nach 65 Jahren ihren Nachfahren fast 50.000€ vererben.



Startet eine Person mit einem Kredit von 50.000 kann sie nach 65 Jahren ihren Nachfahren nicht wesentlich mehr, nämlich 52.000€ vererben.



Und sogar wenn die Person mit einem Guthaben von 50.000€ startet, weil sie selbst etwas erbt, kann sie am Lebensende ihren Nachfahren nur 65.000€ vererben.



Ganz anders sieht die Situation aus, wenn die Person zum Beispiel monatlich das Doppelte sparen kann. Dann verdoppelt sich auch das Vermögen, das sie vererben kann. Das Vermögen, welches sie an die Erben weitergibt ist also nun relativ unabhängig von dem Kapital, das die Person selbst einst geerbt hat, aber stark abhängig von ihrer eigenen finanziellen Leistung. Genau so soll es doch sein!
So wie wir mit unserem persönlichen Einsatz in Erziehungsdingen der nächsten Generation einen Startvorteil geben wollen, können wir dies in diesem System auch finanziell tun, aber eben nur für Erben, die wir noch persönlich kennen, und nicht für alle folgenden Generationen. Das ist fair!

Ein fließender Übergang zur Negativverzinsung von Geld ist denkbar

Der Negativzins, also eine Gebühr auf Geld, ist für ein kaum wachsendes Wirtschaftssystem überlebenswichtig. Die Schweiz ist das erste Land, das diese Notwendigkeit erkannt hat. Teilweise ist dort bereits bei manchen Banken sowohl auf Sparguthaben, wie auf Kredite ein Zins zu zahlen. http://www.tagesschau.de/wirtschaft/negativzinsen100.html

Eine anderes reales System, das dem hier dargestellten nahe kommt, bietet die schwedische JAK-Bank. Sie bietet Kreditnehmern unverzinste Kredite an, Kreditausfälle werden durch Pfandgüter abgesichert.

Sparformen in einem System mit Negativzins

n einem System mit Negativzins lässt sich das persönliche Vermögen etwa zu einem Drittel vor der Gebühr auf Geld schützen. Und zwar dadurch, dass private Kredite vergeben werden. Dazu habe ich eine eigene Simulation programmiert, welche in der unteren Menüleiste die Eingabe periodischer Kreditvergaben zulässt. Um diese Simulation zu verstehen, betrachten wir zunächst die Vermögensansammlung ohne Kreditvergabe:



Verleihen wir bei gleichen Bedingungen nun bspw. über 40 Jahre alle 5 Jahre einen Großteil unseres Vermögens, so steigt unser Vermögen, weil einerseits für das verliehene Geld keine Gebühren anfallen und andererseits fällt für den am Konto verbleibenden vorübergehend geringeren Betrag auch weniger Gebühr an. So kommen wir statt 90.400€ auf 125.300€ Endvermögen.
Ist dem Gebührennehmer (z.B. Staat) dadurch ein Verlust entstanden? Nein, denn das Geld ist ja immer irgendwo im Umlauf, und so bekommt er immer die Gebühr. Aber dem Kreditnehmer ist ein Vorteil entstanden. Er kommt immer leicht zu einen unverzinsten Kredit. Ein Teil der Gebühr auf Geld muss natürlich einer Kreditausfallversicherung zugeführt werden, damit der Sparer nicht das volle Risiko trägt. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass dadurch, dass mit dem Geld gewirtschaftet wird, der Wohlstand der Gesellschaft vermehrt wird!



Immer noch gilt die Abhängigkeit von unserer persönlichen Sparleistung. Das bedeutet bei halber Sparleistung halbiert sich auch in etwa unser Endvermögen. Durch die andere Skalierung erscheinen die Grafiken etwa gleich:



Interessant ist, dass sich die Häufigkeit der Kreditvergabe kaum zu Buche schlägt. So hatten wir bei 5-Jahres-Kreditvergaben ein Endkapital von 125.305€, bei 2-Jahres-Kreditperioden beträgt das Endkapital 128.753€



So wie das Anfangskapital nur eine geringe Rolle spielt, sind auch große Ausgaben, welche eher am Start der finanziellen Karriere auftreten, nicht so wesentlich für das zu vererbende Endkapital. Es gilt noch immer: Wir vererben hauptsächlich unsere eigene Leistung. In der folgenden Simulation wurde im 13. Jahr der finanziellen Karriere 100.000 Euro abgebucht. Der Knick im Verlauf der Tilgung ergibt sich daraus, dass der eigene Kredit schneller zurückgezahlt werden konnte, solange der privat vergebene Kredit noch Einnahmen brachte. Sobald sich wieder Vermögen angesammelt hat, wurden neuerliche Privatkredite vergeben, so dass das Endvermögen immerhin 86.589€ beträgt:



In einem System mit einer hohen Gebühr auf Geld wird es auch zu einer Form von Kredit kommen, die wir heute noch nicht kennen. Ich nenne Sie "Rückerstattung auf Abruf". Jemand verleiht sein Geld ohne jegliche Tilgungsforderung, vielleicht sogar lebenslang, unter der Bedingung es jederzeit in voller Höhe wieder haben zu können. Es dient ihm erst einmal als Versicherung für Notfälle, später motiviert ihn die Liebe zu den Erben, es nicht selbst zu verbrauchen. Will er es zurück haben, muss sich der Kreditnehmer einen Kredit im derselben Höhe bei jemandem anderen aufnehmen, um dem ersten Kreditgeber das Geld zurückgeben zu können. Wird das Geld hingegen lebenslang nicht zurückgefordert, wird das Recht auf Rückforderung an die nächste Generation vererbt.

Zur möglichen Rolle von Privatkrediten innerhalb eines Geldsystems

Die Geldmenge hat sich seit den 1970er Jahren vervierzigfacht, und doch nehmen die Insolvenzen zu und die Unternehmen leiden unter Geldknappheit. Auch in unserem heutigen System fällt auf all das vorhandene Geld eine Gebühr, also ein Zins an, aber dieser muss von den Schuldnern getragen werden, und wird daher dort eingehoben, wo ohnehin schon ein Geldmangel herrscht. Selbstverständlich führt das zu Kreditausfällen. An sich sollte es keine Kreditausfälle geben, da einem Kredit ein Pfandwert gegenüber steht, so dass selbst im Fall des Ablebens des Kreditnehmers die Bank durch Verkauf des Pfandgutes abgesichert ist. Aber durch die Zinslast steigen Schulden oft über den Pfandwert hinaus. Durch ein neues System mit zinsfreien Krediten wären totale Kreditausfälle, bei denen das Pfandgut nicht an den Wert der Schuldenmenge herankommt, somit eine extrem seltene Ausnahme.

Erst auf der Basis niedrigster Versicherungsgebühren für Kreditausfälle wird eine private Kreditvergabe zu einer reizvollen Sparform. Privatkredite könnten wesentlich zu einem funktionierenden Geldsystem beitragen. Denn bei der Kreditvergabe der Banken erhöht sich die Geldmenge, bei Privatkrediten hingegen nicht.

Vergleichen wir die beiden Kreditformen an einem Beispiel, ohne die Zinslast einzukalkulieren. Es zeigt sich, dass im heutigen System auch ganz ohne Zinsen immer mehr Geld notwendig wird, wenn der Geldkreislauf versagt:
Nehmen wir an, Herr Loser betreibt ein Geschäft, dieses spielt seine Lebenshaltungskosten herein, nicht aber seine Miete. In der Hoffnung auf bessere Zeiten lässt er sich darauf ein, Schulden zu machen und zahlt damit die Miete von 1000€. Der Vermieter, Herr Winner gibt das Geld auf die Bank. Ein Monat darauf beginnt das Spiel von Neuem, denn Herr Loser hat wieder kein Geld für die Miete. Bei Herrn Winner wachsen die Spareinlagen, bei Herrn Loser die Schulden. Nach 20 Monaten stehen 20.000€ Euro Sparguthaben 20.000€ Schulden gegenüber. Nun läuft die Bindung des Sparguthabens bei Herrn Winner aus, und er will eine neue Küche kaufen, und sein Geld abheben.
Was passiert nun, wenn die Bank ihm einfach dieses Geld auf sein Girokonto überweist? Es wird ausgegeben und geht an Konten von andern Banken. Nun ergeht es der Bank so wie einem Händler mit seinem Warenlager. Der Händler muss ein Gleichgewicht zwischen Einkauf und Verkauf schaffen, sonst leert sich sein Lager oder es geht über. In diesem Fall fließt Geld von der Bank ab und sie muss sich selbst Geld bei anderen Banken ausborgen und Kreditzinsen zahlen, oder aber sie stellt Kredite fällig, und bringt dadurch Geld herein. Nehmen wir an, sie stellt Herrn Losers Kredit fällig. Der hat das Geld nicht. Also wird er gepfändet, und somit ist die Bank wieder finanziell ausgeglichen (Saldenausgleich).

Was wir aus dem Beispiel lernen? 1. Wesentlich für die Deckung von Buchgeld ist nicht die verpflichtende Mindestreserve von derzeit 1% Nationalbankgeld, sondern die Deckung durch Pfänder. (Damit auch Mittellose einen Kredit bekommen, wäre eine bedingungslose Grundsicherung, die zur Hälfte gepfändet werden darf, eine Basis.) 2. Weiters erkennen wir, dass eine vorhandene Vermögenskluft dazu führt, dass Herr Winner sich nicht veranlasst fühlt, sein Geld auszugeben. Er kann es sich leisten Geld zu sparen. 3. Am anderen Ende fehlt es der Wirtschaft aber an Käufern, wenn zu viele Leute sparen. Herr Loser hat somit zu wenig Einnahmen. Hinter dem Prozess stecken also unberechenbare psychologische Faktoren, denn wollten die Sparer ihr Geld ausgeben, so wäre Loser mit seinem Geschäft nicht verschuldet. Es ist also die mangelnde Geldzirkulation, durch die es in diesem Beispiel zur Verzwanzigfachung der Spar- und Schuldvolumen kommt. Aber eine Erhöhung der Geldmenge wäre nicht zwingend notwendig. Zu dieser kommt es nur, da die Bank das Geld des Sparers nicht wirklich an den Schuldner weitergibt, sondern neues Geld herstellt (schöpft). Im Fall privater Kreditvergabe bleibt eine Geldmengenerhöhung aus. Winner gibt nun seine tausend Euro jedes Monat direkt an Herrn Loser weiter. Das bedeutet Herr Winner hat das Geld nun nicht mehr am Konto, sondern besitzt nur einen Schuldschein von Herrn Loser. Die Schuld ist durch ein Pfand gedeckt. Kann Loser seine Schuld nie begleichen, wird Winner das Pfandgut verkaufen. Aber bis dahin sind nur die 1000€ im Spiel. Eine auf Privatkredite aufgebaute Wirtschaft kann also mit weniger Geld genauso viel erwirtschaften. Durch einen Zwischenhändler wäre auch die Anonymität des Schuldners gegenüber dem privaten Geldgeber gewährleistet.

Auch eine Geldvernichtung gibt es im Fall der Rückzahlung privater Kredite nicht. Ein System, das einzig auf dieser Form der Kreditvergabe beruht, bedarf im Fall einer stagnierenden Wirtschaft also auch keiner neuerlichen Geldschöpfung. Es bleibt immer gleich viel Geld im Spiel. Damit erübrigt sich die gesamte Kontroverse, wer denn mit welchem Recht Geld erzeugen darf.
Ein System, das auf Privatkrediten beruht, bewahrt uns auch davor, dass das Geld von Leuten wie Herrn Winner über Pensionsfonds oder andere Anlageprodukte am Wertpapiermarkt landet, und der Geldzufluss diesen Markt immer mehr aufbläht – bis zum Börsencrash.